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Eine neue Schwebfliege für NRW

Eine Vielfalt an Lebensräumen findet sich im Kreis Tecklenburg: Buchenwälder auf den Ausläufern des Teutoburger Waldes, Trockenrasen auf denen Wildpflanzen in allen Farben blühen und von Feuchtwiesen umgebene Flüsse. Nicht nur Wanderer und Fahrradfahrer wissen die Naturschutzgebiete zu schätzen. Für viele gefährdeten Tier und Pflanzenarten sind es die letzten Rückzugsräume. So auch für eine besondere Schwebfliege, die alte Bäume zum Überleben braucht: Marquarts Glanzschwebfliege.

 

Wer steht hinter dem Namen?

Marquarts Glanzschwebfliege (Callicera macquarti)ist eine ungewöhnliche Fliege. Sie trägt eine gelb-goldene Behaarung, einen bronze-schimmernden Körper und hat für eine Fliege eigentlich viel zu lange Fühler. Daher auch der wissenschaftliche Name Callicera: Das griechische Wort „Kallikeras“ leitet sich von kallos (Schönheit) und keras (Horn) ab und beschreibt die großen Fühler der Fliege. Mit diesen langen Fühlern und der dichten Behaarung sieht die Fliege mehr aus wie eine Biene oder ein anderes stechendes Insekt. Vögel und andere Tiere, die sich von Insekten ernähren, gehen lieber auf Nummer sicher und die eigentlich harmlose Fliege wird nicht gefressen. Dieses Täuschen, die sogenannte Mimikry, ist eine häufige Strategie bei den Schwebfliegen.

 

Als „C. marquarti“ wurde die Fliege zu Ehren von Justin Pierre Marie Macquart (1776-1855) benannt. Justin Macquart war ein französischer Naturwissenschaftler, der sowohl in und außerhalb Europas Fliegen erforschte. Seine beiden Brüder waren Ornithologe und Botaniker – in dem Feld der Erforschung der biologischen Vielfalt haben sich die Macquarts gemeinsam einen Namen gemacht!

 

Warum nun ist diese Fliege besonderer Erwähnung wert?

Ihre sehr speziellen Lebensraumansprüche sind der Grund dafür, weshalb sich die Fliege nach dem ersten Fund stets nur selten gezeigt hat. Extrem selten, um genau zu sein. Der Lebensraum der Art sind Laubwälder mit altem Baumbestand. Dort entwickeln sich die Larven in wassergefüllten Baumhöhlen von überalterten Buchen oder Eichen. Während viele Schwebfliegen mehrere Generationen pro Jahr hervorbringen, brauchen diese Baumhöhlenbewohner drei bis fünf Jahre Entwicklungsdauer für eine Generation. Bäume, die solch einen Lebensraum bieten sind meist schon älter als 150 Jahre, denn erst dann bilden sich zunehmend Baumlöcher der richtigen Größe.  Weil Bäume meist gefällt werden, bevor sie auf natürliche Weise altern und absterben, gibt es den Larvenentwicklungsraum nur selten. Deshalb wird die Schwebfliege in Deutschland auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten als vom Aussterben bedroht geführt. In Deutschland wurde die Art bisher nur in Baden-Württemberg nachgewiesen, nun auch in Nordrhein-Westfalen.

 

Erstnachweis für NRW, aber vom Aussterben bedroht

Das die Glanzschwebfliege – unabhängig von ihrer Gefährdung – selten gefunden wird, liegt daran, dass sich die ausgewachsenen Fliegen gerne in der Kronenregion von Bäumen aufhalten. In Erdbodennähe kommt sie zum Pollen-Sammeln, Nektar-Tanken, oder zum Trinken an einem Fluss. Dabei werden Blütensäume in Waldnähe besucht, von denen aus die Fliegen eine möglichst freie Flugbahn zurück in die Baumgipfel haben. Marquarts Glanzschwebfliege braucht also nicht nur einen möglichst strukturreichen Wald, in dem Bäume auch natürlich altern dürfen, es müssen sich zudem blütenreiche Säume in der Nähe befinden.

 

 

Ein Veranstaltungstipp im Januar:

Täuschungskünstler Schwebefliegen –

Einblicke in eine faszinierende Welt

 

Vortrag im Naturschutzzentrum Sägemühle in Tecklenburg

Dienstag, 17.01.2017, 19:00 – ca. 20:00 Uhr

Leitung: Gerrit Öhm

                          

Naturschutzzentrum Sägemühle, Bahnhofstraße 73,

49545 Tecklenburg

http://www.antl-ev.de/

 

 

 


 

 

 

 

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